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Welpenpreise - Liegen wir richtig?

von Dr. Hans-Friedrich Willimzik

Als ich mich entschloss, dieses heiße Eisen als UR-Artikel anzufassen, wußte ich nur in etwa, worauf ich mich einlasse. Daß hier die verschiedensten Interessen der Züchter, der Welpenkäufer, der Vereine und des VDH aufeinanderprallen, ist eindeutig. Teils konform, teils kontrovers, soll dieser Beitrag kein Patentrezept offerieren oder gar einen verbindlichen Richtpreis für alle festlegen. Vielmehr soll er auf eine Reihe von ungelösten Problemen aufmerksam machen und zur Diskussion anregen.

Er soll aber auch, aus meiner Sicht, der Anstoß für eine neue Kultur im VDH sein, auf der Plattform des UR, Probleme anzusprechen und öffentlich zu diskutieren. Wichtig ist, aus vielleicht kontroversen Standpunkten heraus einen für alle tragbaren Kompromiß zu finden. Nur in der Gemeinsamkeit werden wir die vor uns stehenden Fragen lösen und dem VDH den Platz in der Gesellschaft der BRD geben, den er zu Recht seit langem beansprucht:

"... wenn`s um den Hund geht."

Die Interessen der Züchter

Hier könnte jemand vorschnell sagen: "Je teurer desto besser!" Kann es aber wirklich das Ziel eines seriösen Züchters sein, kurzfristig viel durch den Welpenverkauf zu verdienen? Ich denke nein! Wir alle behaupten als VDH-Züchter, daß die Hunde und die Hundezucht unser Hobby sind. Dem Gedanken des Hobbys widerspricht aber klar ein Gewinnstreben oder gar eine Gewinnoptimierung. Ein Ziel jedes Züchters muß es sein, mittel- und langfristig zufriedene Welpenkäufer zu haben.

Dieses erreiche ich als Züchter dadurch, daß ich "einen reellen Preis für mein Produkt Welpe" verlange.

Diesen Begriff lassen Sie mich zum späterem Zeitpunkt weiter erläutern.

Ich denke, ein, wenn auch immaterieller Wert ist das gute Gefühl, noch nach 10 und mehr Jahren einen regen Kontakt zum Welpenkäufer zu haben, ja vielleicht dadurch eine neue Freundschaft zu erhalten und optimalerweise nach dem Ableben des "Ersten", einen weiteren Welpen zu verkaufen.

Zu sehen, daß die Familie sich mit ihrem "Produkt" unverändert wohl fühlt, diesen Kauf jederzeit wieder tätigen würde und es vor allem dem von Ihnen gezüchteten Welpen gut geht. Dieses sind alles Faktoren und Gründe, die eine idealistische Hundezucht rechtfertigen und begründen. Das dieses auch eine intensive Auswahl der Welpenkäufer beinhaltet, versteht sich dann fast von selbst. Ein Welpe sollte immer eine Anschaffung fürs Leben sein - zumindest für das Hundeleben. In diesem Zusammenhang bedauere ich, daß verschiedene Vereine im VDH bereits auf ihrer Ahnentafel den mehrfachen Besitzerwechsel vorsehen. Sie machen damit, wenn auch ungewollt, den Hund zum Handels- oder Tauschobjekt.

Aus meiner Sicht sollte der Besitzerwechsel immer eine seltene Ausnahmesituation bleiben, sowohl für den Hund wie für den Halter.

Diesbezügliche Argumente und Gegenargumente könnten Teil eines eigenen Beitrages sein.

Die Interessen der Welpenkäufer

Hier könnte ein anderer vorschnell sagen: "Je billiger desto besser!" Aber wie immer im Leben wissen wir alle, daß wir eigentlich gar nicht das Billigste wollen. Vielmehr wollen wir meistens das Preisgünstigste, d. h. Preis und Leistung müssen in einem günstigen Verhältnis zueinander stehen. Was macht es für einen Sinn, einen Welpen - krank - für 500,- DM zu kaufen, wenn ich in den ersten vier Wochen 2.000,- DM zum Tierarzt trage? Wenn ich andererseits einen gesunden, lebendigen, geimpften und entwurmten Welpen für 1.800,- DM beim seriösen Züchter erhalten kann? Meine Nöte und Sorgen im ersten Fall noch nicht einmal "gerechnet"!

Allerdings müssen wir uns die Fragen der Welpeninteressenten gefallen lassen, warum sie bei uns mehrere tausend Mark bezahlen sollen, wenn sie für die Hälfte oder weniger einen "gleichen", gesunden und vitalen kleinen Spielkameraden erhalten.

Stellvertretend für die Gedanken eines VDH-Interessenten sei auf den Brief im Anschluß dieses Artikels verwiesen. Diesen Brief erhielt die VDH-Geschäftsstelle. Die Rassebezeichnung haben wir bewußt herausgelassen, wollen wir doch nicht, daß sich viele selbstgefällig auf die Schulter klopfen und wieder zur Tagesordnung übergehen. Das Kehren vor der eigenen Haustür ist angesagt und die Frage, was kann ich einzelner (auch Verein) an der beschriebenen Situation verbessern. Man sollte ihn zweimal lesen und darüber nachdenken.

Die meisten Welpeninteressenten wissen sehr wohl, daß sie für einen schönen, gesunden, sozialisierten, lebendigen Hund einen entsprechenden Preis zahlen müssen. Hierzu sind sie auch durchaus bereit (s. folgender Brief). Wir alle wissen, wie ärgerlich es ist, wenn man etwas kauft und wenige Tage später feststellt, man hätte "es" woanders preiswerter erhalten! Den Rest kann sich jeder von uns selber ausmalen. Sicherlich falsch ist auch die Aussage: Nur wer eine Stange Geldes auf den Tisch legt wird sich anschließend um seinen Hund richtig kümmern. Wir alle wissen, welche Kriterien einen guten Welpenkäufer ausmachen.

Die Interessen der Vereine und des VDH

Waren die Interessen der Züchter und Welpenkäufer noch relativ klar zu umschreiben, wird es jetzt deutlich schwieriger.

Die Vereine müssen beide Interessen berücksichtigen und ernst nehmen. Natürlich gäbe es ohne Züchter keine Rassehundezuchtvereine, aber die überwiegende Zahl, d. h. die den Verein tragende Gruppe, sind die ehemaligen Welpenkäufer. Ein guter Verein wird daher sowohl die Interessen seiner Züchter als auch die seiner jetzigen oder zukünftigen Mitglieder vertreten.

Dies wird er am besten durch Transparenz des Problems und ein gegenseitiges Werben um Verständnis erreichen. Spätestens seit im VDH eine Rasse durch mehrere Vereine vertreten sein kann, sollte in einem solchen Fall auch immer eine vereinsübergreifende Lösung ins Auge gefaßt werden. Ich denke, wir alle kennen dieses Problem zu gut, als daß im einzelnen auf Fakten einzugehen wäre. Aber auch ein Verein mit Alleinvertretungsanspruch sollte seine Züchter alle auf einen Richtpreis einschwören. Alles andere schafft böses Blut - zwischen den Beteiligten - und schadet der Rasse allemal.

Wichtig ist nicht nur die Einigkeit innerhalb eines Vereins oder einer Rasse. Der VDH lebt nicht isoliert in einem wertfreien Raum. Natürlich müssen wir uns auch am Umfeld und an der "Konkurrenz", sprich Dissidenz, messen lassen. Dieses heißt nicht, daß wir den letzten Billiganbieter aus dem fernsten Osten unterbieten müssen. Es heißt aber, daß wir uns sehr wohl mit einem anders oder gar nicht organisierten Züchter messen lassen müssen. Wir sollen nicht bedingungslos auf deren Preise eingehen, aber gute Gründe für unsere höheren Preise brauchen wir allemal. Nicht umsonst ist es dem VDH bisher nicht gelungen, beim "Welpenumsatz" einen größeren Anteil als 20-25% zu erreichen. Diese Zahlen sollten uns zu denken geben.

Und auch die häufig gehörte Leier: "In der Dissidenz sind nur schlechte Züchter", ist viel zu platt, als daß sie jemand ernsthaft gelten lassen wird.

Der "reelle Preis"

Jetzt wird es vollends kompliziert, weil nicht für alle Rassen oder alle Vereine gleiche Kostenfaktoren anzusetzen sind. Natürlich ändert sich der Welpenpreis, wenn ein Zuchtwart für die Wurfabnahme bis über 1.000 km fahren muß (wie z. B. im OEMCD), im Vergleich zu seinem Kollegen, der den weitesten Züchter mit dem Fahrrad erreichen kann; und ein Welpe der Rasse Deutsche Dogge braucht etwas mehr Futter bis zur Wurfabnahme als ein Yorkshire-Terrier oder Papillon. Dennoch lassen sich allgemein folgende Posten für eine Kostenanalyse aufstellen (pro Welpe):

a) Deckgebühr und Nebenkosten
b) Tierarztkosten Mutterhündin
c) Tierarztkosten Welpen
d) Futterkosten
e) Aufzuchtnebenkosten
f) Welpenpapiere
g) Vereinsnebenkosten
h) Welpenpflegemittel
i) Habe ich etwas vergessen?

Ob die folgenden Kosten ebenfalls in diese Rechnung hineingehören darf schon einmal diskutiert werden:

j) Kosten der Mutterhündin bis zur Zuchtzulassung
k) Allgemeine Zwingerkosten
l) Hundesteuern
m) Zwingerversicherungen
n) Arbeitszeit bei der Aufzucht

Wenn wir jetzt die ersten Posten von a) bis h) mit einem Zahlenbeispiel darstellen, könnte eine Aufrechnung bei 5-6 Welpen im Wurf einer großen, seltenen Rasse wie folgt aussehen (in DM pro Welpe):

a) 250,- e) 100,-
b) 100,- f) 250,-
c) 200,- g) 50,-
d) 300,- h) 50,-

Zusammen 1.300,- DM..... fast alle "wenn und aber" mit hineingerechnet. Natürlich kann einmal ein kleiner Wurf erheblich "teurer" pro Welpe ausfallen, aber dann muß ich auch den großen, unkomplizierten Wurf deutlich billiger angeben, oder?? Wie hoch darf danach ein Welpenpreis sein, damit wir uns den Ruf des seriösen Hobbyzüchters erhalten??

Lösungsansätze

Der erste Schritt muß sein: VDH, Vereine und Züchter stellen sich diesem Thema offen und vorbehaltlos, diskutieren es gemeinsam und suchen nach Lösungen, die von allen getragen werden.

Der zweite Schritt wäre eine rassebezogene klare Kostenanalyse, aufgeschlüsselt nach den o. a. Kriterien. Dabei wird schnell klar, daß wir nur Mittelwerte angeben können, die für den einzelnen Züchter noch genügend Spielraum lassen sollten.

Der dritte Schritt muß sein, in der Bevölkerung, d. h. beim potentiellen Welpenkäufer, diesen Preis darzustellen und um Akzeptanz zu werben. Damit wird schnell klar, daß ein "Billiger Jakob" diese, unsere Leistungen nicht erbringen kann. Wir müssen nicht zukünftig dann unsere "teuren Welpen" begründen, sondern die anderen müssen erklären, was bei ihren billigen Preisen an Leistungen weggefallen sind.

Der vierte Schritt: Erst wenn wir die ersten drei Schritte gemeinsam gegangen sind, werden wir in der Bevölkerung die Akzeptanz erhalten, die wir seit einiger Zeit zu Recht über den Slogan einfordern:

"VDH - wenn`s um den Hund geht."

Brief an die VDH-Geschäftsstelle
(dieser Brief ist fast im Originaltext abgedruckt)

Deutschland, 16.9.1999

Werte VDH-Mitarbeiter!

Ich bin 40 Jahre, Krankenschwester, habe 2 Kinder, einen erwerbsunfähigen Mann (Rentner), eine fast 13-jährige Boxerhündin (VDH), einen 5-jährigen Chihuahua (VDH) und 2 Katzen. Wir leben in einem normalen Eigenheim, die Tiere sind voll in die Familie integriert. Soweit kurz zu meiner Vorstellung! Da meine Boxerdame schon betagt ist, machen wir uns seit längerer Zeit Gedanken um deren Nachfolge. Wir haben uns für ein XXXX entschieden. Auch haben wir uns auf Ausstellungen mit dieser Rasse vertraut gemacht.

Eigentlich möchte ich dem VDH treu bleiben, weil ich sogenannte "Schwarzzüchter" nicht fördern möchte. Jedoch bin ich entsetzt, wie VDH-Züchter für ein XXXX 3.000.- DM verlangen können! Das ist doch Wahnsinn, das können wir uns einfach nicht leisten! Wir möchten aber unbedingt bei dieser Rasse bleiben. Also habe ich mich mal interessehalber an andere Züchter gewandt!

Z. B. eine Züchterin vom UCI nimmt pro Welpe 1.800,- DM, ein Züchter vom DSH(?) bei Köln verlangt 1.500,- DM pro Tier. Ich habe da noch mehr Beispiele. Diese Züchter haben die Elterntiere im eigenen Zwinger, jeweils HD-frei (Röntgen-Nachweise gesehen!).

Diese Preise sind schon eher bezahlbar. Die XXXX ist für uns ein idealer Familienhund, den wir unbedingt haben möchten. Aber 3.000,- DM sind einfach zu viel. Warum kann der VDH keine familienfreundlichen Preise gestalten?

Tiere haben bei uns das Paradies. Wir sind z. B. noch nie ohne Hunde in den Urlaub gefahren, die Katzen wurden von einer Nachbarin versorgt. In diesem Jahr verzichten wir auf Urlaub, weil unser Boxer zu alt ist, und lange Fahrten nur Streß bedeuten. Bei uns ist immer jemand zu Hause. Eine gute Ausbildung/Erziehung/Welpenspielschule usw. sind auch gewährleistet. Es kann doch nicht sein, daß wir irgendwo den Hund kaufen, nur weil der VDH diese wahnsinnigen Preise beibehält! Ich weiß nicht, ob Sie mich in der kurzen Fassung meines Problems verstehen können!? Aber das ist ehrlich meine Meinung.

In der Hoffnung, eine Antwort oder noch besser, eine Lösung dieses Problems zu erhalten, verbleibt.

G.K.

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